18. Januar 2020

Wir haben die Mitte des Monats erreicht und es ist mal wieder Zeit für ein Wochenspecial mit Lokführer/ Disponent Kevin.

 

Wie ist die Lokführerausbildung?

Das erlernen des Lokführerberufs ist meiner Meinung nach einer der spannendsten aber zugleich auch einer der anspruchsvollsten Ausbildung. Es wird eine hohe Lernbereitschaft verlangt, da die Ausbildungsinhalte sehr komplex sind. Andererseits kommt viel rum und lernt viele verschiedene Bereiche kennen. 

In der Region Hessen erlernt man im 1. Jahr die Grundkenntnisse und gewinnt seine Praxis indem man als Kundenbetreuer im Nahverkehr tätig ist. Ein großes Thema im ersten Lehrjahr ist auch die Bremsprobeberechtigung. Hierzu lernt man alle theoretischen Teile und beginnt zu Ende des 1.Lehrjahres seine Tf-Mitfahrten im Regionalverkehr. Mit Erlangen der Bremsprobeberechtigung endet das erste Lehrjahr. Im zweiten Lehrjahr wird der Lernstoff richtig knackig, da dann mit dem Betriebsdienst (Verkehrsregeln), Fahrzeugtechnik und Baureihenausbildung beginnt. 

Am Ende des Theorieteils erwarten einen sehr viele Prüfungen, auf die man jedoch sehr gut vorbereitet wird. Nach Beendigung der Theorie erfolgen dann die Praxisfahrten in denen man auch selbst fahren darf und muss. Da merkt man dann das es richtig ernst wird und sich die Ausbildung bald dem Ende neigt. Hat man seine Fahrtage voll, kommen auf einen die Standprüfung an der jeweiligen Baureihe (Überprüfung des Triebfahrzeuges vor Inbetriebnahme und störungsbehebung) auf einen zu und natürlich die Fahrprüfung. Mit bestehen dieser Prüfungen ist man ein richtiger Tf. 

Natürlich darf man nicht vergessen, dass man auch noch in die Berufsschule muss und dort diverse IHK Prüfungen absolvieren muss. In der Ausbildung ist man immer 4 Wochen im Betrieb und 2 Wochen in der Berufsschule. Alles in allem ist die Ausbildung wirklich schwierig, aber wer wirklich Lokführer werden möchte, der packt sie auch. Von daher traut euch 🙂 

 

Ist es nicht Nervig alle paar Meter anzuhalten?

Tatsächlich dachte ich nachdem ich bei der S-Bahn übernommen wurde, dass es bestimmt nervig ist und es schnell langweilig wird, wenn man so oft halten muss. Allerdings ist das Gegenteil eingetreten. Viele verschiedene Stationen, bedeutet viele neue Menschen und natürlich auch viele verschiedene Situationen. 

Als Tf bei der S-Bahn ist man gleichzeitig der Ansprechpartner für die Fahrgäste und die kommen auch immer mit ihren Anliegen auf einen zu – sei es eine Auskunft oder eine verlorene Tasche. Außerdem habe ich so auch schon die ein oder andere Bekanntschaft gemacht, die ich heute noch pflege. 

S-Bahn fahren bedeutet außerdem, dass man in seinem näheren Umfeld arbeitet und man sich sehr gut auskennt, da man an diesem Streckennetz wohnt und es auch privat nutzt. Das praktische daran ist, dass man den Fahrgästen dann auch im Störungsfall Tipps geben kann um sie auf alternative Verkehrsmittel zu verweisen. Für mich ist es einfach schön in meinem gewohnten Umfeld unterwegs zu sein Und wenn ich doch mal die Sehnsucht verspüre länger unterwegs zu sein, dann überführe ich zwischendurch ein Triebfahrzeug nach Krefeld an dem größere Inspektionsarbeiten anstehen.

 

Wie reagiert man als Triebfahrzeugführer, wenn Sprayer die Tür blockieren und den Zug dabei beschmieren?

Das ist eine sehr gute Frage, denn dafür gibt es keine ideale Antwort. Tatsächlich kann man dagegen gar nichts machen, außer die Bundespolizei zu rufen, zu warten und dabei zuzusehen. Das klingt zwar hart, aber das ist so. Solche Sprayer kommen meist in Gruppen, da kann man als Einzelperson nichts ausrichten. Im Rhein/Main Gebiet ist es jedoch meist so, dass die Sprayer die Züge in der Abstellung beschmieren und nicht am Bahnsteig. Somit wurden wir damit noch nicht konfrontiert.

 

Was macht ein Disponent und wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?

Als Fahrzeugdisponent erscheint morgens zum Dienst und führt erstmal ein Ablöse Gespräch mit seinem Vorgänger. Nachdem er dann die Computer hochgefahren hat, liest er sich einen Zettel durch, auf dem steht, welche Fahrzeuge Abends oder im laufe des nächsten Tages dem Werk für Instandhaltungsarbeiten zugeführt werden müssen. Er muss sich dann einen Plan machen, wie er die Fahrzeuge aus dem laufenden Betrieb heraus holt. Dies läuft meistens so ab, dass man einen Ortsdienst (ein vollausgebildeter Tf der an diesem Tag Rangierdienst hat) mit einem Ersatzzug zu einem großen Bahnhof schickt, wo die beiden Züge an einem Bahnsteig halten und dort werden die Züge getauscht. Der Ortsdienst kommt dann mit dem alten Zug wieder zurück in die Abstellung. Es gibt jedoch auch noch viele andere Möglichkeiten. 

Danach disponiert man die Abstellung die sich vor dem Werk befindet. Das heißt die Züge kommen nach der Hauptverkehrszeit in die Abstellung und der Disponent schaut, welche Fahrzeuge auf welchen Umlauf für die Nachmittagshauptverkehrszeit passen um wieder pünktlich vor der nächsten Instandhaltung wieder in der Abstellung stehen. Es kann natürlich auch sein, dass man Züge neu bilden muss, aufgrund von technischen Defekten oder Instandhaltungsmaßnahmen. Des Weiteren organisiert man Waschfahrten und muss natürlich auch bei sofort bei gemeldeten Fahrzeugstörungen agieren. Eine Besonderheit bei der S-Bahn Rhein/Main ist, dass der Fahrzeugdisponent gleichzeitig der Weichenwärter fürs Werksgelände ist und auch die Rangierfahrten ins Werk disponieren muss. Alles in allem ein sehr stressiger, aber auch interessanter und abwechslungsreicher Job.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen Lokführer zu werden?

Ich wohne in einem Stadtteil in dem die Eisenbahn durchs Feld fährt. Meine Großeltern sind damals immer mit mir durch diese Felder spaziert und ich war als Kind total begeistert von diesen großen Zügen. Ich war davon so erstaunt, dass ich ein großes Interesse daran entwickelte irgendwann mal selbst am Steuer zu sitzen. So kam ich zu meinem Traumberuf als Lokführer und verwirklichte mir diesen.

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