Neue Woche und das letzte Wochenspecial dieses Jahr mit Rene.

 

Gibt es viele Probleme beim Grenzübertritt zwecks Übertragung der Fahrplan Abweichungen ?

Probleme mit Abweichungen im Fahrplan zwischen verschiedenen Ländern gibt es sehr wenige. Ein internationaler Zug bekommt im Regelfall eine internationale Zugnummer, die er vom Ausgangsbahnhof bis zum Endbahnhof beibehält. Der Fahrplan ist dann auf diese Nummer abgestimmt und sollte keine zeitlichen Abweichungen bei Grenzübertritt haben. Anders sieht es da mit den Zugpapieren aus. Die müssen noch immer für jedes Land andere Kriterien erfüllen und das bremst den ganzen grenzüberschreitenden Verkehr aus. Als Beispiel: Ein internationaler Zug startet in Italien. Die Zugdokumente für Italien werden in digitaler Form vorbereitet und zusätzlich wird für diesen Zug ein Internationales Frachtdokument vorbereitet, dass an die digitalen Dokumente angehängt wird. An der Grenze zu Österreich wird dieses Internationale Dokument ausgedruckt und zusätzlich wird noch das Zugdokument für Österreich ausgedruckt. Wenn’s dann über die deutsche Grenze geht muss dann noch zusätzlich ein Bremszettel ausgefüllt werden und der Fahrplan übers EBULA abgerufen werden. Somit kann es sein, dass ein Zug in ein paar 100km mehrmals komplett seine Dokumente austauscht.

 

Muss man die Sprache des jeweiligen Landes sprechen in das man fährt?

Auf die Frage kommt von mir ein klares JA! In dem Land in dem man fahren will, muss man der jeweiligen Amtssprache mindestens mit einem B1 Level mächtig sein. B1 heißt soviel dass man die Grundzüge der Sprache ohne Dialekte verstehen und sprechen kann. Auch Loks ändern die jeweilige Sprache bei Länderübertritt. Einzige Ausnahme wäre ETCS. Fährt man mit ETCS wird theoretisch nur Englisch vorausgesetzt. In der Praxis ist dies aber noch nicht realisierbar und liegt noch in weiter Ferne.

 

Muss man das Hotel selbst bezahlen oder wird das einem gestellt?

Selbst bezahlt werden muss nix. Das Hotel übernimmt die Firma. Wie das aber genau abgewickelt wird ist von Firma zu Firma verschieden. Alleine schon in unserer Firma gibt’s zwei verschiedene Möglichkeiten. Entweder das Hotel wird von der Firma gebucht und die Firma kümmert sich um Bezahlung, Buchung etc. und teilt dem Lokführer einfach mit welches Hotel ihm zugeteilt wurde oder Möglichkeit zwei, der Lokführer bucht selbst sein Zimmer in das er gehen möchte und teilt der Firma mit wo und wann er das Zimmer gebucht hat und die Firma kümmert sich dann um die Zahlungsabwicklung. Letzteres funktioniert in Italien nicht. Da ist nur Möglichkeit 1 zulässig.

 

In welchen Ländern fährst du überall?

Aktuell fahre ich in Italien und Österreich. Dort hauptsächlich die Brennerbahn von Verona nach Kufstein. Ab und zu, aber eher selten komme ich auch mal nach Tarvis zur Tauernbahn. Da hab ich aber nur in Italien Streckenkunde und kann deshalb auf österreichischer Seite nicht fahren. Würde ich da auch fahren wollen, müsste ich Streckenkunde machen was daraus besteht alle Besonderheiten der Strecke zu lernen und sie drei mal abzufahren, hin und zurück.

 

Braucht man für jedes Land eine separate Ausbildung? 

Ja! In der Eisenbahn braucht man für alles eine separate Ausbildung. Aber Scherz beiseite. Für jedes Land ist eine Zusatzausbildung erforderlich die sich mit allem drum und dran auch mal über ein halbes Jahr ziehen kann. Die Systeme in den Ländern sind so grundlegend verschieden, selbst die Loks verhalten sich in unterschiedlichen Ländern anders. Ein Beispiel wäre der Verschub/Rangierfahrt. In Österreich ist jedes Rote Signal ein haltgebietendes Signal, auch als Rangierfahrt. In Italien wird in der Rangierfahrt jedes rote Signal überfahren als ob es nicht da wäre. Zudem sind noch die jeweiligen Zugsicherungssysteme in den Ländern anders. Nur um von Verona nach Kufstein zu kommen verwende ich drei verschiedene Systeme. In Italien SCMT und in Österreich PZB und ETCS.

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Kategorien: Wochenspecial